Verschiedenes

Sonnenberg, im September 2011

Liebe Gisela, lieber Heinz,

wir Sänger hatten uns fest verabredet, am 17. August – dem Tag Eurer Goldenen Hochzeit - im Hause Kursana zu erscheinen und Euch musikalisch zu gratulieren. Du, lieber Heinz, musstest am gleichen Tage unfreiwillig einen stationären Zwischenaufenthalt in der Klinik einlegen. Da wir – unsere Pensionäre vorweg – übervolle Terminkalender haben, ist es uns nun heute endlich gelungen, Euch die Aufwartung zu machen.

Wir beglückwünschen Euch zunächst dazu, dass es Euch miteinander und füreinander gelungen ist, ein vor einem halben Jahrhundert gegebenes Eheversprechen bis auf den heutigen Tag zu halten. Das nicht nur in guten, sondern vor allem auch in weniger guten Tagen. Von Letzteren hattet Ihr in der jüngeren Vergangenheit ja überreichlich.

Im Rückblick sollte über aktuelles Unbill ein wenig hinwegtrösten, dass Ihr mit wohlgeratenen Kindern und dann auch Enkelkindern sowie mit Euren Bekannten- und Freundeskreisen viele gute Tage, Wochen, Monate und Jahre bilanzieren könnt.

Stichwort Rückblick! Im Jahr Eurer Eheschließung gab es eine Fülle weiterer denkwürdiger Ereignisse, wie z.B.Bau der Berliner MauerJohn F. Kennedy wird Nachfolger von Dwight D. Eisenhower als Präsident der USA

Jury Gagarin startet zum ersten bemannten Raumflug

Schering AG bringt in Deutschland die Antibabypille auf den Markt.

Nicht ganz so weltbewegend:Meine Wenigkeit tritt im Jünglingsalter unserem Chor zunächst als Förderer bei.Last but not least wird an Eurem siebten Hochzeitstag mein Sohn Sven geboren.

Zu unserem Freundeskreis seid Ihr beide im Laufe des Jahres 1990, dem Jahr unseres 125jährigen Chorjubiläums gestoßen. Du Heinz mit Deiner wohltönenden Baritonstimme als aktiver Sänger, Du Gisela nicht nur als Konzertbesucherin, sondern auch immer dann, wenn helfende Hände benötigt wurden.

So ist es auch Euer Verdienst, wenn wir seither namhafte Solisten und Ensembles aus aller Herren Länder zu Gast hatten und im Gegenzug auf unvergessliche Konzertreisen gehen konnten. Zu dem uns in Ansehung völkerverbindender Chorarbeit bereits 1993 verliehenen Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden habt Ihr unverzichtbare Beiträge geleistet.

Schon gesundheitlich angeschlagen war es Dir, lieber Heinz, z. B. noch möglich, 2006 mit uns im Salzbergwerk Sondershausen 800 Meter unter Tage ein Konzert zu singen. Zuletzt sind wir 2008 gemeinsam mit Dir im Stuttgarter Umland auf den Spuren des Liedersammlers, Chorleiters und Komponisten Friedrich Silcher gewandelt. Als Du dann krankheitsbedingt das Treppensteigen nicht mehr bewältigen konntest, war es uns ein Herzensbedürfnis, gelegentlich mal bei Euch zu Hause aufzukreuzen, zu essen, zu trinken, zu reden und zu singen.

Mit unseren heutigen Glückwünschen verbinden wir unseren tiefempfundenen Dank für Eure Freundschaft. Für die Zukunft können wir Euch beiden nur wünschen, dass Ihr weiterhin die Kraft habt, unabänderliche Dinge so anzunehmen, wie sie nun einmal sind.

Herzlichst

Euer MÄNNER-KAMMERCHOR WIESBADEN-SONNENBERG





Wir gratulieren



Nachruf



Nachruf auf Alfred Engelmann (Verfasser: Holger Schlosser)

Nach langer Krankheit ist der ehemalige Präsident des Hessischen und des Deutschen Sängerbundes Schulamtsdirektor i.R. Alfred Engelmann am 14. November 2010 im 85. Lebensjahr verstorben.

Auch wir sind in besonderer Weise betroffen. Unser 1865 als MGV Gemütlichkeit gegründeter Chor wurde von 1947 bis 1971 von meinem väterlichen Freund und Nachbarn Hans Reinhardt geleitet. Auch Alfred Engelmann war mit seinem um einiges älteren Chorleiter-Kollegen Hans Reinhardt freundschaftlich verbunden. Schon von daher verfolgte der Wiesbadener Mitbürger Alfred Engelmann die wechselvolle Nachkriegsgeschichte unseres Chores mit großem Interesse.

Kurz nachdem ich im Chor aktiv wurde, war Engelmann zum Präsidenten des Hessischen Sängerbundes gewählt worden. Unsere seinerzeit forcierte Öffentlichkeitarbeit entging ihm nicht. Durch Vermittlung von Kulturamtsleiter Henry A. Gerster kam es zu einem ersten Vier-Augen-Gespräch, dem noch zahlreiche persönliche Kontakte folgen sollten.

Wenn ich mir in der Mittagspause die Füße vertrat, begegnete mir oftmals Schulamtsleiter Alfred Engelmann. Neben einem herzlichen „Hallo, was macht die Kunst?“ fand sich immer wieder Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch. Will sagen: Alfred Engelmann war bezüglich Chor und Verein stets auf dem aktuellen Stand der Dinge, er kannte zudem die handelnden Personen. Präsident Engelmann sparte nicht mit Lob über positive Entwicklungen und gab Rückendeckung wenn wieder mal eine „Sau durchs Dorf getrieben“ worden war.

Von Alfred Engelmann kam auch die Anregung, unsere Sicht der Dinge zum Themenkreis „Chor- und Vereinsarbeit“ mal in einer Art Denkschrift zu Papier zu bringen. Das habe ich 1982 getan und zunächst versucht, mit „Ansichten und Einsichten“ bei den Delegierten des Sängerkreises Wiesbaden Problembewusstsein zu wecken. Alles was ich seinerzeit dort geweckt hatte, waren Aggressionen gegen vermeintliche Nestbeschmutzer.

Auch hier wusste Präsident Engelmann Rat. Er empfahl, mein Manuskript der Redaktion der Fachzeitschrift „Lied & Chor“ zuzuleiten, was dann – in der Ausgabe Nr. 3 im März 1983 veröffentlicht - auch bundesweit Diskussionen in Gang brachte.

Als Alfred Engelmann 1985 zum Präsidenten des DSB gewählt wurde, hatten wir dank Chordirektor Klaus Ochs wieder musikalisch Tritt gefasst. Auf einer von blinden Eiferern nahezu sturmreif geschossenen Vereinsbasis waren wir im Begriff, mit einer internationalen Chorbegegnung an legendäre Bühnenerfolge unserer Altvorderen, einem handverlesenen Hundert-Mann-Chor anzuknüpfen. Der war u.a. dazu berufen, die 1950 in Wiesbaden stattgefundene Wiedergründung des DSB musikalisch zu umrahmen.

Das Grußwort des Präsidenten Alfred Engelmann in der Begleitbroschüre des Jahres 1985 lautete wie folgt:

Mit ihrem beispielhaften Einsatz werden Sie auch die jüngere Generation ansprechen, die sich oft auf der Seite derer befindet, die selbst Leistung und Engagement erbringen und sie nicht nur von anderen einfordern; das gute Beispiel ist wieder gefragt. Wir Sänger müssen auf dem Boden der Gegenwart stehen und unsere Arbeit auf die Zukunft ausrichten, und genau das tun Sie. Möge Ihnen gelingen, dass Sie mit Ihrer Veranstaltung Mitbürger zum Nachdenken motivieren und den Kreis der Freunde des Chorgesangs erweitern.“

Viele Menschen - vorwiegend außerhalb der traditionellen Chorszene stehend - haben seinerzeit Alfred Engelmanns Botschaft verstanden und unsere Kulturarbeit fortan tatkräftig unterstützt. Demgegenüber ritten Vorstandsmitglieder seines heimatlichen Sängerkreises noch bis 1988 Attacken gegen einen Chor, der sich auf die Regeln der Kunst zurückbesonnen und damit – quod erat demonstrandum – wieder erfolgreich war.

Für Alfred Engelmann ein Beleg dafür, dass die Kommunikation zwischen Verbandsspitze und Basis nicht optimal war. Wenn sich in der Folgezeit auf diesem Felde eine deutliche Verbesserung einstellte, war das zweifellos auch ein Verdienst des Pragmatikers Alfred Engelmann, der sich sowohl für die Elite als auch für die chorische Breitenarbeit stark machte. Sein Credo war auch das unsere. Wo gerne, gut und mit wachem Verstand gesungen wird, stellen sich Ambition und Erfolg quasi von selbst ein.

In Erinnerung ist mir auch eine Episode im Vorfeld der Jubiläumskonzerte des DSB im Oktober 1987 in der Alten Oper Frankfurt am Main. Auf Anfrage des ZDF, das für die Vorberichterstattung einen – wie es hieß – flexiblen Männerchor suchte, hatte Präsident Engelmann an uns verwiesen, sollten wir ja auch unter der Flagge „Nassauische Singgemeinschaft“ beim A-capella-Konzert IV mitwirken.

Das Ansinnen der ZDF-Redakteurin, auf der Freitreppe der Alten Oper postiert, eine schwäbische Volksweise in Kamera und Mikrofon zu singen, habe ich als nicht im Einklag mit der musikalischen Intention besagter Jubiläumskonzerte stehend abgelehnt. Die erstaunte Nachfrage, ob wir denn nicht ins Fernsehen wollten, beantwortete ich mit „ja gewiss doch, aber nicht um fragwürdige Klischees zu bedienen.“ Präsident Engelmann dankte mir ausdrücklich dafür, dass ich den Braten gerochen und der Versuchung widerstanden hatte.

Im Februar 1989 konnten wir – seit 1987 unter Männer-Kammerchor firmierend - Wettbewerbserfolge bei den „III. Prager Chortagen“ feiern. Das war nach besagter Chorbegegnung Wiesbaden 1985, der Teilnahme an der „14. Zimriya“ in Israel 1986, eines 1987 von Radio Ljubljana aus der Slowenischen Philharmonie direkt übertragenen Konzertes und einer Tournee durchs heute polnische Niederschlesien unser fünfter weithin registrierter Achtungserfolg.

Alfred Engelmann erschien kurzentschlossen im heimischen Probesaal, überbrachte die Glückwünsche des DSB-Präsidiums und sagte:

„In derartigen mit künstlerischer Kompetenz und organisatorischem Geschick in Angriff genommenen Entwicklungen sieht das DSB-Präsidium die Zukunft des Chorgesangs in der Bundesrepublik. Auch und gerade im „Jahr der Werbung“ werde ich keine Gelegenheit auslassen, auf das Beispiel des Männer-Kammerchores und seines Dirigenten Klaus Ochs zu verweisen.“

Der weitere Jahresverlauf war geprägt von unserer Benefizreihe „Künstler für die Erdbebenopfer in Armenien“, bei der sich u.a. Spitzenensembles aus verschiedenen Sowjetrepubliken in Sonnenberg ein Stelldichein gaben.

Im Folgejahr konnten wir unter dem Motto „Chorgesang im Wandel“ unser 125-jähriges Jubiläum feiern. Im Mai gastierten wir in Klagenfurt, im Oktober in Wien, Prag und Budapest. Bei uns gastierten Chöre aus Israel, Armenien, Slowenien, Italien, Tschechien, Polen und Russland. Wir bilanzierten im Jubiläumsjahr sechsunddreißig Konzerte in vier Nationen.

DSB-Präsident Alfred Engelmann schrieb uns seinerzeit ins Stammbuch:

Sie haben einen nicht alltäglichen Weg zur Erreichung Ihrer Ziele gewählt; und nicht alltäglich ist das, was Sie erreicht haben. Einen hohen Anspruch kann sich nur der leisten, der starke Persönlichkeiten vor dem Chor und überdurchschnittlich motivierte Sänger im Chor hat. Der Männer-Kammerchor Wiesbaden-Sonnenberg hat beides. Ich beglückwünsche Sie und danke Ihnen.“

Als unserem Chor im September 1993 der Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen wurde, hielt die Laudatio kein Geringerer als Alfred Engelmann. Aus seiner Sicht zeichnete er nochmals den Rückweg unseres Chores aus der musikalischen Talsohle in die Liga nach. Seine engagierten Worte gipfelten in der Feststellung:

„Die Strategie des diesjährigen Kulturpreisträgers der Landeshauptstadt war ein Königsweg, den ich vom Nordseestrand bis zum Bodensee zur Nachahmung empfohlen habe.“





Liebe Musikfreunde,

wenn wir heute auf die Zusammenarbeit mit nahezu hundert Solisten und Ensembles aus zweiundzwanzig Nationen zurückblicken können, ist das nicht zuletzt auch der Fürsprache und dem Zutun von Alfred Engelmann geschuldet. So lange es ihm gesundheitlich vergönnt war, hat er mit Interesse und Anteilnahme die Entwicklungen unseres Chores verfolgt.

Wir gedenken unserem Freund, Fürsprecher, „Schutzpatron“ und Mitbürger Alfred Engelmann in Ehrfurcht und großer Dankbarkeit.

MÄNNER-KAMMERCHOR WIESBADEN-SONNENBERG































































Danksagung

Wir danken unseren Freundinnen und Freunde für die kostenlose Überlassung von Fotomaterial usw.

Beate Marx
MARIJANA ŠARE (Vercerni List)
Hans Körner
Werner Wittgen
Renate Eissmann
Rainer Jekel



Redebeitrag anlässlich des 140jährigen Bestehen